Unterricht aus einer anderen Perspektive betrachten
Im Unterricht gibt es jeden Tag Situationen, die zunächst ganz eindeutig erscheinen.
Ein Kind beginnt nicht mit der Aufgabe, verliert schnell den Faden oder lässt sich von kleinen Reizen ablenken. Ein anderes reagiert impulsiv oder hält an einem einmal eingeschlagenem Lösungsweg fest.
Oft werden solche Situationen schnell mit Motivation, Konzentration oder Verhalten erklärt.
Lern clever lädt dazu ein, noch einen Schritt weiterzudenken:
Welche Anforderungen stellt die Situation eigentlich an das Kind?
Was steckt hinter einem Verhalten?
Im Schulalltag müssen Lehrkräfte häufig sehr schnell reagieren. Wenn ein Kind eine Aufgabe nicht beginnt, sich leicht ablenken lässt oder Schwierigkeiten hat, bei einem Lösungsweg zu bleiben, braucht es zunächst eine möglichst gute Einschätzung der Situation.
Dabei kann es hilfreich sein, nicht nur auf das sichtbare Verhalten zu schauen, sondern auch auf die kognitiven Anforderungen, die eine Aufgabe mit sich bringt.
Welche Informationen muss das Kind gleichzeitig im Kopf behalten?
Wie viele Handlungsschritte müssen geplant und umgesetzt werden?
Wie leicht lässt sich die Aufmerksamkeit von anderen Reizen ablenken?
Und was passiert, wenn ein bisheriger Lösungsweg nicht funktioniert?
Exekutive Funktionen in der Grundschule
Praxisratgeber für Lehrkräfte
Der Praxisratgeber richtet sich an Lehrkräfte, die typische Situationen im Grundschulalltag genauer betrachten und ihren Unterricht mit kleinen, gezielten Veränderungen weiterentwickeln möchten.
Im Mittelpunkt stehen die drei exekutiven Funktionen Arbeitsgedächtnis, Inhibition und kognitive Flexibilität.
Sie werden verständlich erklärt und mit konkreten Situationen aus dem Unterricht verbunden.
Dabei geht es nicht um fertige Patentrezepte. Vielmehr möchte der Ratgeber dabei unterstützen, Verhalten differenzierter zu betrachten und die Anforderungen einer Aufgabe genauer zu erkennen.
Der erste Band der Praxisreihe ist bereits erhältlich.
Der Ratgeber beschäftigt sich nicht nur mit der Frage, was ein Kind tut, sondern auch damit, welche Anforderungen hinter einer konkreten Situation stehen können.
Der Blick auf exekutive Funktionen soll dabei helfen, Unterrichtssituationen genauer zu betrachten. Er ersetzt keine pädagogische oder fachliche Einschätzung und ist keine Diagnose. Vielmehr geht es darum, Beobachtung und Interpretation voneinander zu unterscheiden und Vermutungen im Unterricht vorsichtig zu überprüfen.
Vielleicht liegt die Schwierigkeit tatsächlich in der kognitiven Anforderung einer Aufgabe. Vielleicht braucht ein Kind mehr Vorwissen, eine klarere Struktur oder zunächst eine andere Form der Unterstützung.
Der nächste Schritt besteht dann darin, genau das auszuprobieren und zu beobachten, was sich dadurch verändert.
Lernen besser verstehen
Unterricht zu gestalten bedeutet jeden Tag, viele kleine Entscheidungen zu treffen. Manchmal kann dabei eine andere Perspektive helfen.
Lern clever möchte wissenschaftliche Erkenntnisse so aufbereiten, dass sie für diese Entscheidungen im Schulalltag tatsächlich nutzbar werden.